Projektstart "Bring Your Own Device"

In diesem Jahr starten wir am bwd Bern mit einem Projekt “Bring Your Own Device”. Dieser Blogeintrag soll aufzeigen, was die Idee dieses Projektes ist und wie wir uns organisieren. Der Eintrag dient auch als Einladung fĂŒr das erste Treffen der Projektgruppe und als Informationen fĂŒr alle Interessierten.

Gleichzeitig beginnt eine neue Arbeitsgruppe AG bwd digital. Zusammen werden diese beiden Gruppen verschiedene Themen rund um die digitale Transformation bearbeiten.

Warum das Ganze?

Das kaufmĂ€nnische Berufsbild ist einer dauernden Entwicklung unterworfen. Der Einsatz digitaler Tools und Hilfsmittel fĂŒr die Abwicklung von AuftrĂ€gen und fĂŒr die Kollaboration in Unternehmen, Projekten und Teams gehört zum beruflichen Alltag der angehenden Kaufleute.

Der Arbeitsmarkt verĂ€ndert sich. ZukĂŒnftig stĂ€rker geforderte Kompetenzen sind mitunter:

  • Informations- und Datenanalyse
  • Kommunikation und Kollaboration
  • Kritisches Denken
  • Kreatives Handeln
  • Digitale Inhalte kreieren
  • Datensicherheit
  • Problemlösestrategien
  • Prozessuales Denken
  • Projekte fĂŒhren/begleiten
  • VerĂ€nderungsbereitschaft / Selbstwirksamkeit

Die Bildungsverordnung 2022 fĂŒr Kaufleute soll dem Rechnung tragen.

Projekt “Bring Your Own Device” (BYOD)

Die Direktion des bwd hat das Projekt BYOD initiiert und mir einen Auftrag vergeben fĂŒr die Projektleitung. Aus den oben aufgefĂŒhrten Kompetenzen wurde fĂŒr das Projekt BYOD folgende Zielsetzungen abgeleitet:

Zielsetzungen Projekt BYOD
  • Die EinfĂŒhrung von BYOD entspricht dem durch die digitale Transformation ausgelösten Wandel des kaufmĂ€nnischen Ausbildungsprofils.
  • Die BefĂ€higung der LehrkrĂ€fte zum didaktisch-methodisch zielfĂŒhrenden Einsatz von BYOD hat im Projekt eine hohe PrioritĂ€t.
  • Methodik und Didaktik im Fachunterricht beziehen die VerfĂŒgbarkeit des Device mit ein, wenn dies einen Mehrwert auslöst und sinnvoll ist.
  • BYOD ist ein Beitrag zur Kompetenzorientierung und ermöglicht erweiterte Formen des Wissenserwerbs («Flipped classroom»), des selbstĂ€ndigen Lernens und der Reflexion (E-Portfolio).
  • BYOD ist in erster Linie ein pĂ€dagogisch-didaktisches Projekt; die Technik ist Hilfsmittel.
  • Die VerfĂŒgbarkeit des eigenen Device im Unterricht (Notebook) ermöglicht und fördert digitale Formen der Kollaboration.

Organisation

Die Projektgruppe BYOD besteht aus 7 Mitgliedern der Grundbildung am bwd. Da es von den Themen her viel Überschneidung gibt mit der AG bwd digital, haben wir uns entschieden, dass jeweils die Leitung der einen Gruppe in der anderen Gruppe vertreten sein wird. Damit können wir uns bei Bedarf jeweils kurz absprechen, ob ein Thema oder eine Aufgabe besser in der einen oder anderen Gruppe bearbeitet werden soll.

Personell ergibt sich aktuell folgende Zusammenstellung:

Organisation BYOD und AG bwd digital: Ja, es sind drei verschiedene Marcos... ;-)
Organisation BYOD und AG bwd digital: Ja, es sind drei verschiedene Marcos... ;-)

FĂ€llen von Entscheidungen

Wir werden uns nicht allzu oft als ganze Gruppen treffen können. Das heisst, wir brauchen eine effiziente und klare Form, Entscheidungen zu fÀllen.

Es ist wichtig, dass wir den Entscheidungsprozess definieren. Was sonst oft passiert in solchen Gruppen, ist, dass man entweder davon ausgeht, dass alle im Konsens einverstanden sein mĂŒssen oder es spielen unklare Hierarchien. Konsens kann zu sehr lange Diskussionen fĂŒhren. Und wenn es nicht Konsens ist, dann wĂ€re z.B. bei der Gruppe BYOD unklar, wie viel ich jetzt als Leitung alleine entscheiden könnte und wie viel andere Gruppenmitglieder (welche ja auch unterschiedliche Positionen in der Schule vertreten).

Marco G. (Leiter AG bwd digital) und ich haben uns dazu unterhalten. Wir möchten es gerne so handhaben, dass alle Mitglieder das gleiche Recht haben, Entscheidungen zu fĂ€llen fĂŒr die Gruppe. Um dies zu ermöglichen, nutzen wir eine neue Formen der Entscheidungsfindung:

Soziokratische Entscheidungen

Entscheide in der Projektgruppe BYOD und der AG bwd digital fĂ€llen wir nicht nach Konsens oder durch einen demokratischen Mehrheitsentscheid, sondern nach soziokratischem Konsent (beachte: Konsen‑t, nicht Konsen‑s).

Beim soziokratischen Konsent stellt man nicht die Frage, wer mit einem Vorschlag “einverstanden” ist, sondern ob jemand einen “schwerwiegenden Einwand” hat gegen den Vorschlag. Alle Gruppenmitglieder werden der Reihe nach gefragt, ob sie einen schwerwiegenden Einwand vorbringen möchten. Falls niemand einen Einwand hat, wird der Vorschlag angenommen.

Diese Entscheidungsform hat ein paar entscheidende Vorteile als Gruppe:

  • VorschlĂ€ge kommen schneller durch, weil man nicht eine Lösung finden muss, die allen passt, sondern eine Lösung, “mit der alle leben können”.
  • Es entsteht eine Kultur der Innovation. Es wird nicht gewartet auf die perfekte Lösung, die dann nie kommt. Man spricht auch von einem “good enough for now and safe enough to try”.
  • Jede Person wird angehört und ernst genommen. Mit einem “schwerwiegenden Einwand” haben alle eine Art Veto-Recht und können den Vorschlag stoppen, wenn sie denken, dass es die Gruppe in Schwierigkeiten bringen könnte.

Beispiel fĂŒr einen Entscheid

Ich werde beim ersten Meeting den Vorschlag einbringen, dass wir die Ergebnisse unserer Meetings jeweils als BlogeintrĂ€ge aufbereiten, wie diesen Eintrag hier (natĂŒrlich mit dem nötigen Respekt und Schutz der Personen). Der Sinn ist, dass sich alle informieren können - auch die, welche nicht in der Projektgruppe sind.

So lĂ€uft der soziokratische Entscheid ab: Zuerst kann der Reihe nach jede/r KlĂ€rungsfragen stellen zu diesem Vorschlag. In der zweiten Runde kann jede/r eine Reaktion darauf Ă€ussern (z.B. “bin begeistert” oder “habe ein etwas mulmiges GefĂŒhl”). In der dritten Runde werden alle gefragt, ob sie “einen schwerwiegenden Einwand” haben. Hat niemand einen Einwand, gilt der Vorschlag als angenommen. Ein Einwand von einer Person reicht, um den Vorschlag zu kippen. Meist wird dann der Entscheid auf das nĂ€chste Meeting vertagt, damit ein verbesserter Vorschlag gefunden werden kann.

Das scheint auf den ersten Blick aufwÀndig zu sein. Die Runden gehen aber sehr schnell. Denn es wird zwar Feedback aufgenommen, aber es finden keine Diskussionen statt wÀhrend dem Meeting.


Weitere Details zum Ablauf eines soziokratischen Konsents sind im Blogeintrag Entscheidungsprozess zu finden.


Erstes Meeting der Projektgruppe BYOD

Als Projektteam BYOD treffen wir uns zum ersten mal am Freitag, 25. Januar 2019, 16.00-17.30 Uhr.

Wir können schon im ersten Meeting als Gruppe nach soziokratischem Konsent Entscheide fÀllen. Wir könnten auch entscheiden, dass wir diese Entscheidungsform wieder abschaffen wollen ;-).

In diesem ersten Meeting wird es um folgende Themen gehen:

  • Ziele von BYOD am bwd
  • Organisation und Entscheidungsfindung
  • Grundprinzip: “Zuerst digitale Anwendungen finden, die Begeisterung auslösen. Dann dazu passende Infastruktur (z.B. BYOD) organisieren.”
  • Digitale Kommunikation der Gruppe und Transparenz
  • Ideen aus der Gruppe, denen wir nachgehen möchten
  • NĂ€chste Treffen
    • Zeitressourcen (Mandat von Marco J. von ca. 200 Stunden im Jahr 2019, VerfĂŒgbarkeit anderer Teammitglieder)
    • Vorschlag: Alternierend einmal Video-Konferenz, einmal vor Ort
  • NĂ€chste Schritte
  • Varia

Ja, es ist recht viel fĂŒr das knappe Zeitfenster. Ich werde trotzdem versuchen, es so zu moderieren, dass es Raum gibt, sich gegenseitig zu informieren und inspirieren, Feedback einzuholen und allfĂ€llige soziokratische Entscheide zu fĂ€llen. Das erste Treffen ist sicher speziell. Mit der Zeit werden wir eine passende Form finden fĂŒr unsere Meetings, kombiniert mit informellen Treffen im Schulhaus und digitalem Informationsaustausch.

Weiterentwicklung

Ich bin persönlich ĂŒberzeugt, dass Lernen auf jeder Ebene einer Organisation stattfinden sollte. Und das gilt natĂŒrlich in besonderem Mass fĂŒr uns als Schule, einer “Institution des Lernens”. Das heisst, auch die Projektgruppe BYOD und die AG bwd digital werden wir möglichst “agil” halten, damit wir aus dem Prozess lernen und uns weiterentwickeln können.

Wie sich unsere Zusammenarbeit bewĂ€hrt und weiterentwickelt, wĂ€re sicher interessanter Stoff fĂŒr spĂ€tere BlogeintrĂ€ge… Ich hoffe jedenfalls, dass ich genug Zeit finde, diesen Blog zu fĂŒttern. Und vielleicht braucht es auch etwas Mut, BlogeintrĂ€ge raus zu lassen, die “good enough for now and safe enough to try” sind. Das fĂ€llt mir noch nicht so leicht.


Bildquellen: Tisch mit Laptops von StartupStockPhotos (free license), Meeting von Sarah Pflug (free license)